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Schenken, Stiften, Engagieren für die Zukunft
Ein Manifest

Quelle: Bankspiegel 1/1998

° Angesichts der möglichen Zerstörung der Biosphäre durch Taten und Unterlassungen der Menschen,
° angesichts der wachsenden Unterschiede zwischen Arm und Reich, sowohl in der Weltgesellschaft wie innerhalb Europas und Deutschlands,
° angesichts verbreiteter Desorientierung durch den allgemeinen Wertewandel,
° angesichts der wachsenden Unfähigkeit der politischen und gesellschaftlichen Institutionen, diese Probleme anzugehen, geschweige denn zu bewältigen,
° angesichts des krassen Gegensatzes zwischen der laut beklagten Finanzmisere der öffentlichen Hand und den historisch einmaligen Privat-Reichtümern in unserer Gesellschaft
° und angesichts der bereits laufenden oder unmittelbar bevorstehenden Vermögensübergänge, die in Deutschland Tausende von Milliarden in Bewegung bringen,

erhält die Gemeinwohlverpflichtung des Eigentums, wie sie das allgemeine Sittengesetz und ausdrücklich auch das Grundgesetz der Bundesrepublik definiert, eine neue, drängende Dimension und Aktualität.

Die Unterzeichner stellen sich dieser Verpflichtung.

Wir werden tun, was in unserer Macht und in unserem Vermögen steht, um ihr nach- oder doch näherzukommen.

Wir werden durch Schenkungen, Stiftungen und persönliches Engagement versuchen, das Gemeinwohl zu fördern.

Wir werden uns dabei insbesondere den Fragen zuwenden, die von den politisch und ökonomisch Verantwortlichen weitgehend ignoriert oder zumindest verdrängt werden: der Erhaltung oder Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen, der Besserung der sozialen Verhältnisse, der Schaffung guter Lebenschancen für die nächsten Generationen und der Bewahrung der kulturellen Vitalität.

Wir wollen damit den Begriff des Erbes aus der privatistischen Verengung befreien: Weitere perspektivlose Reichtumsvermehrung nach den Gesetzen der heutigen Finanzwelt würde die Lebenschancen der Erben keineswegs verbessern, sondern vielmehr entscheidend verschlechtern. Wir wissen zudem, daß Stiftung und Engagement für das Gemeinwohl nicht nur das Gefühl persönlicher Freiheit erhöht, sondern die Substanz demokratischer Gemeinwesen entschieden verstärkt und kräftigtAlte und neue Stiftungen und Schenkungen, die natürlich auf dem selbständigen freien Engagement beruhen, sollen sich soweit koordinieren, daß eine gemeinsame heilende und aufbauende Wirkung für eine lebens- und menschengerechte Zukunft sichtbar wird - eine Wirkung, der sich die Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft nicht länger werden entziehen können.

Wir rufen alle Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich dazu imstande und berufen fühlen, auf, sich der Initiative dieses Manifestes anzuschließen - entweder eigene Schenkungen und Stiftungen ins Leben zu rufen oder Zustiftungen an bereits vorhandene, gemeinwohlorientierte Fonds zu leisten.

Die Erstunterzeichner:
Carl Amery (Schriftsteller); Stephan Baldin (Stiftung Kathy Beys); Albert Fink (GLS Gemeinschaftsbank); Dr. Günter Grass (Schriftsteller); Monika Griefahn (Umweltministerin); Karl Kerschgens (Staatssekretär a.D.) Dorothee Kerschgens (Diplom-Sozialpädagogin); Julian Kühn (Gemeinnützige Treuhandstelle e.V.); Jakob von Uexkull (Alternativer Nobelpreis); Dr. Antje Vollmer (MdB); Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Wuppertal-Institut); Frieder Wolf (Heinrich-Böll-Stiftung) und viele andere